Captain America: The First Avenger

Captain America: The First Avenger

Die Vorstellrunde der Avengers geht nach Thor (lest hier unser Review) heuer mit Captain America: The First Avenger weiter. Das Kinopublikum soll mit diesen eigenständigen Produktionen auf das für Mai 2012 angekündigte Marvel-Spektakel The Avengers vorbereitet werden. So kann 2012 direkt in die Story der Avengers eingestiegen werden, ohne lang und breit jeden Rächer einzeln vorstellen zu müssen.

“I don’t want to kill anybody. I don’t like bullies; I don’t care where they’re from.”

The Star Spangled Man with a plan

Fünf Mal war er bei der Musterung, fünf Mal wurde er abgelehnt: so sieht Steve Rogers‘ (Chris Evans) Ausgangssituation aus. Mitten im zweiten Weltkrieg will der schmächtige Junge aus Brooklyn seinen Dienst am Land leisten – dabei steht ihm aber seine eigene physische Verfassung im Weg. Zu klein ist er, und zu schwächlich – das hält ihn aber nicht davon ab, seinen Mann zu stehen, und so wird er mehr oder weniger regelmäßig in diversen Seitengassen von Stärkeren verprügelt, denen er sich in den Weg stellt.

Durch einen glücklichen Zufall entdeckt Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) Steves Qualitäten. Er erkennt sofort Steves großes Herz und macht das Unmögliche möglich: Steve wird zur U.S. Army zugelassen. Dr. Erskine überredet ihn dazu, an einem Experiment teilzunehmen: die Army erschafft eine neue „Spezies“ an Super-Soldaten, und Steve soll das erste Versuchskaninchen sein. Wie es das Schicksal so will, funktioniert die Prozedur, und Steve ist nicht mehr der unscheinbare kleine Kerl  sondern ein gestandener Mann mit massigen Muskeln. Er kann schneller laufen, höher springen und härter zuschlagen als alle die sich ihm in den Weg stellen. Diese Veränderung gefällt nicht nur der amerikanischen Öffentlichkeit, sondern auch Peggy Carter (Hayley Atwell, zuletzt gesehen in Die Säulen der Erde oder Die Herzogin).

Anstatt sich ins Labor zu begeben, um dort weiteren Untersuchungen unterzogen zu werden, wie Colonel Philips (Tommy Lee Jones) das gerne hätte, rettet Steve kurzer Hand mit der Hilfe von Howard Stark (Tony Starks/Iron Mans Vater) seinen Freund Bucky Barnes (Sebastian Stan) und einige Dutzend weitere amerikanische Soldaten aus einer aussichtslosen Schlacht. Captain America ist geboren.

“Whatever happens, stay who you are. Not just a soldier, but a good man.”

Der Held ohne Eigenschaften

Leider schafft die Figur des Steve Rogers es nicht, mich besonders zu bewegen. Anders als Thor, der eine tatsächliche Persönlichkeitsentwicklung durchmachte, verändert Steve sich im Grunde überhaupt nicht. Natürlich ist er nun um einiges besser in der Lage seine Ziele zu erreichen, als vor dem Experiment, aber er muss nicht an sich persönlich arbeiten. Captain America war immer schon Captain America: Ein Vorzeige-Patriot mit dem Herz am rechten Fleck. Er hat keine wirklich nennenswerten privaten oder emotionalen Hindernisse zu überwinden, und alle Probleme lösen sich durch seine neu erlangte Kraft fast von selbst. Die Leute hören plötzlich was er zu sagen hat, er kommt bei den Frauen an und er kann Gutes für seine Freunde und sein Land tun. Alle diese Dinge hatte er sich gewünscht, als er noch ein Schwächling war, und alle diese Dinge hat er ohne sich tatsächlich einer Herausforderung stellen zu müssen auch bekommen. Captain America ist leider, verglichen mit Iron Man oder Thor, ein langweiliger Superheld.

“The serum amplifies the inner qualities of its taker, as well as their physical attributes. Good becomes great… bad becomes worse.”

Zwei Seiten einer Münze

Wissenschaft und Magie wird auch hier, wie bereits in Thor, einigermaßen miteinander vermischt. Auch die Deutschen kennen das Serum, mit dem Captain America geschaffen wurde. Das deutsche Pendant zum amerikanischen Superhelden ist Johann Schmidt aka Red Skull (Hugo Weaving), ein Nazi-Wissenschaftler. Auch er hat die Wirkung des Serums am eigenen Leib erfahren, und nutzt nun seine geschärften Fähigkeiten dazu, sich möglichst viel Macht anzugeignen. Johann Schmidt zeigt sich leider ebenso wenig vielschichtig wie Steve Rogers. Sein Größenwahn, seine Brillanz, seine Machtgier wurden durch das Serum verstärkt, und der logische Schluss daraus ist nun mal, sich die Weltherrschaft anzueignen. Wir kennen das alles leider schon.

“Arrogance is not a uniquely American trait, but you do it better than most.”

Oh, ja, die Action

Optisch macht Captain America ganz schön was her. Regisseur Joe Johnston (Jurassic Park III, Jumanji, Hidalgo) hat von vielen Filmen inspirieren lassen. Diese Reminiszenzen fangen bei Steves Verwandlung vom nicht mal 170 cm großen Hühnerbrüstchen zum muskelbepackten Hünen (schon gesehen bei Der Seltsame Fall des Benjamin Button) an. Sie setzen sich in den gut gelungenen Kampfsequenzen, in denen Captain America sein Schild wie Xena ihr Shakram durch die Gegend schleudert fort und reichen sogar bis hin zum Score, der über kurze Strecken an Der Herr der Ringe erinnert. Manche Erfindungen von Howard Stark lassen an Star Wars denken.

Captain Americas Wirklichkeit ist nicht einmal ansatzweise so plastikhaft wie zum Beispiel Asgard in Thor, und fügt sich so gelungen in die schon bekannte Iron Man-Optik ein.

“This isn’t a back alley, Steve, this is war!”

Fazit von Johanna

Action, Spaß, Explosionen und 40er Flair – das kann man sich von Captain America erwarten. Wenn auch die allesamt nicht besonders überzeugenden Darsteller und eine Story, die amerikanischer nicht sein könnte, meinen Spaß ein wenig gedämpft haben. Unwillkürlich vergleiche ich Captain America ständig mit Thor, und muss sagen, dass mich Thor, allein durch seine größere charakterliche Tiefe, mehr überzeugen konnte.

Solide Action und gekonnt umgesetzte 3D-Effekte runden das Superheldenbild gut ab. Spaß macht Captain America auf jeden Fall, und ist für alle Fans von Comic-Verfilmungen durchaus empfehlenswert. Trotz meiner vielen kleineren Einwände wurde ich bestens unterhalten. Nach diesem weiteren Avenger bin ich schon gespannt, was wir 2012 zu sehen bekommen.

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