Following

Following

Er gilt als einer der besten und meistdiskutierten Regisseure unserer Zeit. Er beweist sich immer wieder als genialer Handwerker und visionärer Gedankenforscher. Er verbindet geistige Herausforderungen in Form von unlinear und kompliziert verstrickten Handlungen mit unglaublichem Augenfutter.

Christopher Nolan zeigte in The Dark Knight, wie ein Superheldenfilm mit Politik und aktuellen Terrorängsten gepaart werden kann und in Filmen wie Memento oder The Prestige präsentierte er anspruchsvolles Erzählkino in feinster Unchronologität. Zuletzt veröffentlichte er mit Inception den intelligentesten Actionfilm der letzten Jahre. Somit etabliert sich der Londoner immer mehr im von innovationslosen Blockbustern verseuchten Hollywood und macht deutlich, wie gut gemachte Action mit verwobenen Geschichten zusammenpasst. Zu einer derartigen Fusion gehört natürlich auch ein perfekt durchdachtes Drehbuch und dort liegt bei Nolan die wohl größte Stärke. Für Memento und Inception erhielt er jeweils eine Nominierung für das beste Originaldrehbuch, ging jedoch leer aus. Angefangen hat er seine Karriere hingegen in Großbritannien mit dem Independenthit Following.

“You take it away… to show them what they had.”

Verschiedene Neigungen verschiedener Figuren

Die Kunst Nolans, Geschichten zu erfinden, lässt sich in seinem Frühwerk Following bereits erkennen. Er verfilmte mit Freunden und Bekannten sein Drehbuch und benötigte dazu gerade mal 6000 Dollar. Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Schriftstellers (Jeremy Theobald), der durch London streift und unbemerkt Menschen verfolgt, um sich von ihrer Ausstrahlung und ihrem Handeln zu neuen Ideen führen zu lassen. Eines Tages verfolgt er einen Einbrecher namens Cobb (Alex Haw), der Gefallen daran findet, das Eigentum fremder Leute zu durchsuchen, um so etwas über deren Charakter zu erfahren. Cobb nimmt den Schriftsteller sofort mit auf seine Raubzüge. Als sie in die Wohnung einer Dame einbrechen und sich der junge Mann in die Frau verguckt, beginnt er damit, ihr zu folgen. Dies führt zu verschiedenen Problemen mit ihrem Exfreund – einem aggressiven Clubbesitzer – und dem undurchsichtigen Cobb.

“And when it stopped being random, that’s when it started to go wrong.”

Verschachtelt auf drei Ebenen

Christopher Nolan erzählt die Story in drei unterteilten Ebenen, die irgendwann im Verlauf des Films ineinander übergehen. Dabei ist man als Zuschauer gefordert, diese zu erkennen und voneinander zu trennen. Ein besonderes Merkmal ist der immer anders aussehende Hauptcharakter, der einmal lange und ein anderes Mal wieder kurze Haare hat, einmal ist er entstellt und danach sieht er wieder völlig frisch aus. Wie es zum jeweiligen Haarschnitt und zum blauen Auge kam, erzählt Nolan im Laufe der Geschichte natürlich und während man zu Beginn noch im Dunkeln schwebt, lässt sich am Ende dann alles verständlich miteinander kombinieren. Darin liegt auch eine wesentliche Stärke des Films, nämlich dass man folgen kann, solange man aufmerksam zusieht. Auch einige Überraschungen verbirgt Following, welche jedoch wenig umhauen (wenn man bereits spätere Nolan-Werke wie Memento oder The Prestige gesehen hat) und auch die Geschichte nicht vollständig umstrukturieren, wie man es sonst von Nolan kennt.

Jeremy Theobald spielt für einen Amateurschauspieler überragend, während die anderen Figuren manchmal ein wenig aufgesetzt wirken. Gefilmt ist der Film in charmantem Schwarzweiß und absolut souverän ohne auffällige Schnitt- oder Kameravarianten. Ebenso wie die Story sind auch die Kostüme und die Umgebungen in smartem Film-Noir-Stil gehalten und tragen maßgeblich zur dichten Atmosphäre bei.

“Just because you broke into people’s homes doesn’t mean you need to look like a fucking burglar.”

Seltene Amateurhaftigkeiten

Leider schimmert immer mal wieder durch, dass der Film amateurhaft inszeniert wurde und ein durchgängiger Filmgenuss daher durch schmuddelige Bebilderung und laienhafte Nebendarsteller erschwert wird. Ein weiterer Kritikpunkt könnte die mangelnde Spannung sein, welche zu selten durch den schön schrillen Soundtrack hervorgehoben wird. Manchmal soll ein gewisser Thrill erzeugt werden, doch man merkt, dass es einfach nicht richtig funktioniert.

“That’s it, unless you have any questions.”

Fazit von Moviemax

Trotz einiger Schwachpunkte, welche einem Low-Budget-Film immer zu verzeihen sind, ist Following eine Indieperle, die jeder Nolan-Fan gesehen haben muss. Für junge Filmemacher ist dieser Streifen außerdem ein Fest, da sich einiges an Erzählmustern und Inszenierungsmöglichkeiten für Low-Budget-Produktionen abschauen lässt. Letztendlich ein toller Hauptdarsteller in einer tollen Geschichte über menschliche Schwächen und Neigungen. Das ist, was man von einem Inception-Regisseur als Erstlingswerk erwartet und es wird einem viel darüber offenbart, wie Nolans Drehbücher heute funktionieren.