Moon

Anno 2009 sorgte ein kleiner Independent-Streifen für ordentlich Furore auf dem US-amerikanischen Sundance Film Festival. Es handelte sich dabei um Moon. Dieses Kleinod von einem Science-Fiction-Film wurde ganz bewusst in der Tradition von diversen Genre-Klassikern wie 2001: A Space Odyssey (1968) bis hin zu Outland (1981) geschaffen. Für Drehbuch und Regie zeichnet sich Duncan Jones verantwortlich, der hiermit sein Erstlingswerk ablieferte. Sein Vater ist übrigens niemand Geringerer als David Bowie höchstpersönlich.

Da sich Publikum und Kritik äußerst begeistert zeigten, kam es schließlich zu einem internationalen Release durch Sony Pictures Classics. Der mit lediglich 5 Millionen Dollar komplett unabhängig finanzierte Film wurde zwar in nur wenigen, ausgewählten Kinos und bei diversen anderen Festivals gezeigt, aber ein passabler Erfolg war er allemal. Schließlich und endlich erschien er heuer in diesen Landen auch auf DVD, respektive Blu Ray, und als alter SF-Nerd, der sich auch von den begeisterten Kritiken aus Übersee anstecken ließ, galt es freilich das Werk zu begutachten.

You’ve been up here too long man. You’ve lost your marbles. 

Die Zukunft gehört dem Mond

In der Welt von Übermorgen wird die globale Energiefrage mit der Gewinnung von Helium-3 auf der Mondoberfläche gelöst. Der gesamte Abbauprozess findet über riesige Erntemaschinen statt, während schließlich das Material für eine nukleare Fusion in unbemannten Kapseln zur  Erde gesandt wird. Zwischenstation hierfür, samt einer Abschussrampe, ist die Lunarbasis ‚Sarang‘ (koreanisches Wort für Liebe). Praktisch alles läuft komplett automatisiert ab, daher benötigt es nur einen Astronauten vor Ort, der nur wenige Abläufe kontrolliert. Er ist der einzige Mann auf dem Mond. Sein Name ist Sam Bell (Sam Rockwell).

Das gesamte Unternehmen wird betrieben vom Großkonzern ‚Lunar Industries‘, der somit auch der Arbeitgeber von Sam ist. Sein Vertrag läuft auf drei Jahre und danach kann er wieder zur Erde zurückkehren. Seine einzige direkte ‚Bezugsperson‘ ist GERTY (synchronisiert von Kevin Spacey), eine künstliche Intelligenz, die auch weite Teile der Anlage steuert. Ein direkter Kontakt zur Heimatwelt ist nicht möglich, da die Kommunikationssatelliten permanent beschädigt sein dürften. Sam erhält und verschickt daher lediglich zeitlich versetzte Aufzeichnungen. Dies betrifft sowohl Botschaften der Konzernführung, als auch jene von seiner Frau , für die er die größte Sehnsucht empfindet.

Es sind nur noch zwei Wochen bis zu seiner Ablöse und somit bis zur Rückkehr zur Erde. Doch seltsame Halluzinationen beginnen Sam zu plagen. Als er mit dem Mondfahrzeug zu einer der Erntemaschinen fährt, erblickt er auf der staubigen Oberfläche eine schemenhafte Figur. Es kommt zu einem dramatischen Unfall und nichts ist mehr, wie es war…

Listen, why don’t you relax. Why don’t you take a pill, bake a cake, go read the encyclopedia.

Die unheimliche Elegie vom grauen Himmelskörper

Moon ist von Beginn an ein sehr bedächtiger, ruhig inszenierter Film, der langsam, aber konsequent eine so dichte wie unheimliche Atmosphäre aufbaut. Was fast schon als melancholische Abhandlung über das einsame Menschsein beginnt, wird schließlich immer mehr zu einem unheimlichen Mysterium, dessen Kern sich erst Stück für Stück offenbart. Die Inszenierung ist dabei so zurückhaltend wie minimalistisch. Nicht zuletzt das Figureninventar bleibt nur auf ganz wenige Protagonisten beschränkt, von denen aber ohnehin lediglich Sam Bell eine wirklich große Rolle spielt.  

Allerdings wird Moon mit der Zeit äußerst zäh. Gegen Ende des zweiten Drittels verliert er sich etwas zu sehr in mühsamen Dialogen und einer kaum fortschreitenden Handlung. Auch bin ich mir ob des Humors im Film nicht ganz sicher. So großartig nämlich Sam Rockwell in seiner Performance auch ist, so sehr bricht sein subtiler Witz doch den konzentrierten Ernst des Szenarios sowie die deutlichen Suspense-Elemente eine Spur zu sehr auf. Dabei verkörpert der Stations-Roboter GERTY irgendwie ebenso einen netten Sidekick, dem man das angedeutete Bedrohungs-Potential, alleine schon durch seine ‚Smiley-Displays‘, nicht wirklich abnehmen kann.

I am a lover, not a fighter.

Das Zitaten-Feuerwerk

Ausgemachte Kenner des SF-Genres werden aber mit Moon alleine schon deshalb ihre Freude haben, weil hier im bewussten Retrofuturismus reihenweise Filme zitiert werden, die uns seit den 60er Jahren vom Weltall und der Technik von Morgen haben träumen lassen. Die Anspielungen, wenn nicht gar die respektvolle Huldigung der großen Vorbilder, sind in allen Elementen dieses Streifens, von der Inszenierung über das Production Design bis hin zu weiten Teilen der Handlung, überdeutlich vorhanden.

Anfangen muss man natürlich mit 2001: A Space Odyssey aus dem Jahre 1968. Dieses ewige Meisterwerk von Stanley Kubrick zeigt uns sowohl den einsamen Menschen zwischen den Sternen, als auch eine wahnsinnig gewordene Künstliche Intelligenz. Ein großes Mysterium bleibt der Film mit seinem rätselhaften Schluss bis heute. Silent Running von 1972 kann wohl als melancholischer Abgesang auf den Natur- und Lebensraum Erde verstanden werden. Die russische Produktion Solaris (1972) ist praktisch die philosophische Antwort des Ostens auf das große Hollywood-Kino. Der B-Movie Dark Star (1974) vom bekannten Horror-Regisseur John Carpenter enthält als Genre-Parodie eine deutliche Portion Humor. Auch der Space Western Outland (1981) mit Sean Connery in der Hauptrolle dürfte seinen Einfluss auf Moon gehabt haben. Diese und andere Produktionen nennt auch der Regisseur Duncan Jones seine Haupteinflussquellen. Ebenso Ridley Scotts Blade Runner (1982), neben 2001 für mich DER SF-Film überhaupt und sowieso, mag hier ein wenig zitiert werden, aber dann etwas sehr versteckt.  

Sam, I can only account for what occurs on this base.

High-End-Effekte

Moon hat ja als kleine Independent-Produktion ein absolutes Mini-Budget. Es heißt, lediglich 5 Millionen Dollar standen dem Regisseur zur Verfügung, seine Vision eines SF-Films auf die Leinwand zu bringen. Das ist gelinde gesagt nichts im Vergleich zu einem anderen Genre-Werk wie Avatar (2009), der über 300 Millionen Dollar braucht, um eine Geschichte in der Welt von Übermorgen zu erzählen.

Aber gerade wenn man diese Relation bedenkt, sind die Spezialeffekte in Moon nicht nur gut, nicht nur beeindruckend, sondern geradezu großartig und so stimmungsvoll wie stilsicher inszeniert. Die Kombination aus Modell-Aufnahmen und Computeranimationen funktioniert hier in sehr schöner Weise. Auch die famos gestalteten Sets ließen eigentlich auf eine viel aufwändigere Produktion schließen.

Es ist geradezu erstaunlich, wie viel sich da, besonders aufgrund der digitalen Revolution (auch was billigere und handlichere Kameras betrifft!), für das Independent-Kino mit so günstigen wie toll aussehenden visuellen Effekten getan hat. Sicherlich ein ganz großer Vorteil für alle Filmschaffenden. Vergleichbare Produktionen von vor 20 oder 30 Jahren, die auch vergleichsweise deutlich teurer waren, sehen wesentlich schlechter und somit unrealistischer aus, als dieses SF-Kleinod.

I hope life on Earth is everything you remember it to be.

Fazit von Spenz

Moon ist alles in allem ein guter bis sehr guter Film, der sowohl als Erstlingswerk von Duncan Jones, als auch als Genre-Produktion mit minimalem Budget wirklich überzeugen kann. Die subtile, melancholische und unheimliche Atmosphäre, die er mit deutlicher Intensität entwickelt, nimmt einen schnell gefangen. Als Charakter-Studie von der Einsamkeit des Menschen, der vor einem Mysterium zur Ohnmacht gezwungen wird, hat er ebenfalls seine Wirkung. Mit zig Anspielungen ist er in seinem Retrofuturismus zudem eine respektvolle Huldigung von zahllosen SF-Meisterwerken. 

Der Darsteller Sam Rockwell spielt hier wirklich großartig. Auch der hypnotische Soundtrack muss als gelungenes Element hervorgehoben werden. Die Spezialeffekte, das Set-Design und der visuelle Stil sind vor allem in Hinblick auf das minimale Budget absolut gelungen. 

Trotz alledem verliert er sich aber mit dem Fortlauf der Geschichte in einer überdehnten Zähigkeit. Er schrammt irgendwann knapp daran vorbei, schlicht langweilig zu werden. Auch die leicht humoristische Note bricht die intensive Atmosphäre etwas zu sehr auf und nimmt dem Film einen Tick zu viel an Drama und Suspense weg. Hinzu kommen noch kleinere Logikschwächen, sowie nicht klar genug herausgearbeitete Handlungselemente.

Empfehlen kann man dieses SF-Kleinod aber in jedem Fall. Besonders Liebhaber des Genres, die sich um die Komplettierung ihrer Film-Sammlung bemühen, werden an diesem Zitaten-Fest ihre wahre Freude haben.

Blu Ray-Extras:

Ok, da der Film so schon Low-Budget war, darf man alleine schon deshalb keine arg tollen und aufwändigen Extras erwarten. Aber letztlich habe ich noch nie eine Silberscheibe in Händen gehalten, mit so wenig Bonus-Material. Abgesehen vom Film-Trailer werden hier nämlich nur (!) noch zwei Audiokommentar-Tracks geboten. Und von diesen ist eine aufgrund von schwer verständlichen Dialekten (in englischer Sprache natürlich) und für den gemeinen Konsumenten nicht begreifbaren Insider-Jokes alles andere als informativ oder irgendwie interessant. Nur die Zweite, mit dem Regisseur Duncan Jones und dem Produzenten Stuart Fenegan, bietet wirklich Erhellendes und hat einen deutlichen Mehrwert. Wäre der Film selber nicht so empfehlenswert, müsste man eigentlich vom Kauf der Blu Ray respektive DVD aufgrund der beinahe nicht vorhandenen Sonder-Ausstattung abraten.