Tekken (2010)

Tekken (2010)

Als ich zum ersten Mal von einer Verfilmung des Beat ’em Up Klassikers Tekken gehört habe, war ich gemischter Gefühle. Einerseits sahen die ersten Bilder und später auch die Trailer sehr vielversprechend aus, andererseits scheint über Videospiel-Verfilmungen ein gewisser Fluch zu liegen, den bislang nur die wenigsten erfolgreich überwunden haben (wie beispielweise Mortal Combat, 1995).

“You know where you are? This is Iron Fist!”

Die Welt von Tekken

Der Film spielt in einer Welt nach einem dritten Weltkrieg, einer Welt in der Firmen die Regierungen scheinbar abgelöst haben und mit eigenen Militärs in Terror herrschen. In den Spielen erfährt man nicht viel über die Zustände in der Welt, nur das nötigste um den Charakteren einen Hintergrund zu geben, aber ein solch apokalyptisches Szenario wird jedoch nie erwähnt. Wer bei einer Verfilmung auf eine 1:1 Umsetzung hofft, wird nie zufrieden gestellt sein, also warum überhaupt versuchen. Mit dieser Einstellung werden auch die Charaktere und ihre Beziehung zueinander inszeniert. Die Weltmacht Tekken, welche im Spiel wohl dem Mishima Zaibatsu entsprechen würde, wird von keinem geringeren geleitet als Großväterchen Heihachi Mishima (Cary-Hiroyuki Tagawa). Seine rechte Hand und Chef der Sicherheit ist Sohnemann Kazuya Mishima (Ian Anthony Dale). Spätestens da stellt es dem Spiele-Fan die Nackenhaare auf und spätestens da sterben die letzten Hoffnungen auf eine den Spielen nahe Story, in der doch Vater und Sohn seit jeher Erzfeinde sind.

Der Protagonist in diesem Film, wie sollte es auch anders sein, ist der supercoole Jin Kazama (Jon Foo). Schauspielerische Leistungen sind hie und da zu erkennen, im Großen und Ganzen wird jedoch generell während des ganzen Filmes lieber darauf verzichtet. So qualifiziert sich der Outsider gegen den Willen seiner gerade mal eben explodierten Mutter (Tamlyn Tomita) durch ein “People’s Choice” Match für das King of Iron Fist Tournament und schlägt sich dank Unterstützung durch Coach Steve Fox (Luke Goss) ganz passabel. Die restliche Story ist äußerst belanglos, und das abgedroschene “Ich bin dein Vater” kann höchstens ein peinliches Kopfschütteln hervorrufen. Bedenkt man das niedrige Budget des Steifens, so kann man wenigstens mit den Effekten des Filmes durchaus zufrieden sein.

“You want to kill me don’t you. I understand that.“

Round 1: FIGHT

Hier kann der Film so richtig punkten: Das ganze Tournament ist von der Aufmachung bestmöglich an das Spiel angelegt, einzig und allein die hundertfachen Hinweise auf “it’s not a game!!!” werden einem etwas zu stark auf die Nase gebunden. Die Kampfauswahl und die Arenen sowie die Ansagen erinnern an die Spielereihe, doch das absolute Highlight sind die (meist) Original-Kostüme der bekannten Spielehelden… welche allerdings wohl aus Budgetmangels in zu geringer Anzahl vorzufinden sind. Die Kampfszenen sind sauber choreografiert, jedoch etwas ungünstig geschnitten, sodass von all der schönen Action kaum etwas zu sehen ist. Da diese Szenen das absolute Highlight des Filmes sind und für Fans das Hauptmotiv darstellen, würde man sich mehr davon wünschen und dafür vielleicht bei den sich ständig wiederholenden Rückblenden etwas einsparen. Persönlich das schlimmste No-Go bei den Kampfszenen waren jedoch die fehlenden einzigartigen Kampfstile der verschiedenen Charaktere: Ausser von Eddy Gordo (Lateef Crowder) mit sehr schönem Capoeira war nichts zu erkennen.

„I am Mishima Heihachi. I am Tekken. You will obey.“

Für jeden was dabei…

Sieht man Tekken, so erhält man den Eindruck, der Film wolle es einem jeden Recht machen: Liebesgeschichte da, Analogien zum Spiel da, Explosionen und Parcour dort und unnötig viel nackte Haut und pseudoerotische Szenen überall. Im Grunde erreicht der Film damit das genaue Gegenteil und keine Zielgruppe kommt auf ihre Kosten. Vom Look und auch vom Feeling kommt Tekken deshalb sehr nahe an Dragonball Evolution (2009), und das wird niemand als Kompliment verstehen.

Fazit von Lugaz

Gut gemeint, doch knapp vorbei ist auch daneben. Story und Plot wirken aus der Luft gegriffen, die Charaktere total flach, emotionslos und langweilig. Die Kampfszenen im Tekken-Stil überzeugen kurzzeitig, erfüllen jedoch nicht die Erwartungen der Spiele-Fans. Da das Ende auf Fortsetzungen schließen lässt, bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens die vielen restlichen (noch nicht gezeigten) Fighter in weiteren Teilen vorzufinden sind. Die Frage ist aber, ob man das nach dem vermasselten ersten Film überhaupt noch sehen will. Wer sich tatsächliche eine vernünftige Verfilmung der Spiele im Tekken-Universum erhofft hat, wird maßlos enttäuscht sein.

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