The Green Hornet

The Green Hornet

Eins vorne weg: Nein, ich kenne die Radio-Show nicht, habe nur wenige Folgen der Serie gesehen und dass es Comics dazu gibt, war mir bis vor kurzem unbekannt. Kurz gesagt, ich habe The Green Hornet ohne jene Erwartungen gesehen, die vielleicht die meisten Fans der Franchise hatten. Darum muss ich auch all jene, die dieses Review in der Hoffnung lesen hier neue Bash-Argumente für ihre Nerd-Treffen zu finden, enttäuschen, denn mir hat der Film als solcher gut gefallen.

Der Film als solcher ist eine Action-Komödie, und was man sich davon erwarten kann, das bekommt man auch. Seth Rogen und sein Humor mögen umstritten sein, doch die Rolle des viel zu reichen, leicht blöden, kindischen und untalentierten Versagers wurde ihm auf den Leib geschneidert. Im Grunde nimmt er sich damit selbst aufs Korn, abgesehen davon, dass er dafür wieder einmal eine nette Stange Geld bekommt. Doch der eigentliche Star des Films ist der, im Vergleich zu Seth Rogen, im Westen eher unbekannte Jay Chou, der in die Rolle des Sidekicks Kato schlüpft. In der Original-Serie wurde diese Rolle von niemand geringerem als Bruce “The Dragon” Lee verkörpert. Dies ist auch der Grund, warum The Green Hornet im asiatischen Raum als The Kato Show bekannt ist. In diese übergroßen Fußstapfen tritt der junge, in Taiwan geborene, Musiker und Schauspieler jedoch sehr souverän, und könnte ihm endlich auch im Westen eine gewisse Bekanntheit einbringen. Cameron Diaz spielt die hübsche Sekretärin, die zwar für die Story wichtig ist, für den Film aber nicht wirklich. Sie passt gut in ihre Rolle, aber wie so oft fallen mir bei ihr spontan eine Handvoll Schauspielerinnen ein, die sie ohne weiteres ersetzen hätten können. Letztes nennenswertes Mitglied des Casts ist natürlich Christoph Waltz, der wiedermal als der etwas andere Bösewicht, viel Charme versprüht. Doch man merkt durchaus, dass man versucht hat, das Inglourious Bastards-Phänomen Hans Landa möglichst genau zu rekonstruieren. Zum Teil ist dies ganz gut gelungen, wird aber dem Zuseher doch etwas zu sehr aufs Auge gedrückt.

“And so, thunder strikes lightning.”

Prügeln? Aber bitte in die Kronjuwelen!

Die Mischung aus Action und Komödie steht bei diesem Film in einem guten Verhältnis. Da Seth Rogens Humor nicht jedermanns Sache ist, wurde dieser eigentlich ganz gut zurückgehalten. Immer noch zuviel für manche, aber die gute Action löst so manchen schlechten Witz rasch ab. Die Verfolgungsjadgen sind nichts neues, aber die Kameraführung ist sehr solide und es wurden keine groben Fehler gemacht. Die Kampf- und Ballerszenen haben ebenfalls ihren Reiz, auch wenn ich mich an keinen Prügelei erinnern könnte, bei dem nicht mindestens ein Schlag/Tritt/Stoß/Hieb/Objekt zwischen den Beinen eines Darstellers landet. Besonders nett und für mich das Highlight des Filmes war die Szene, die den meisten TGH-Fans der größte Dorn im Auge war: Der Kampf Britt gegen Kato. Normalerweise hasse ich persönlich es, wenn schöne Häuser oder Wohnungen kurz und klein geschlagen werden, doch da man es dem Protagonisten sowieso nicht gönnt, all dies geerbt zu haben, war es dieses Mal richtig schön mit anzusehen.

Etwas ungewöhnlich für solch einen Film, ist die besonders grafische Darstellung der Gewalt und deren Todesopfer im Speziellen. Nicht oft sieht man in einer Komödie, wenn jemand von einem Bagger erschlagen wird und noch weniger, wenn das Opfer darunter noch leicht zuckt. Ich traue mir zu behaupten, dass dies für manche Zuschauer ein leichter Stimmungsdämpfer sein könnte. Aber immerhin ist diese übertriebene Gewalt, abgesehen von Kick-Ass, mal etwas Neues in diesem Genre. Optisch gibt der Film vor allem auch 3D-technisch etwas her. Es scheint so, als wäre die Phase des “Ich bin so kreativ, ich muss 3D für alles benutzen, vor allem für Objekte die aus dem Film rausfliegen” größtenteils vorbei, langsam erkennt man das Stimmungspotential und den Nutzen von räumlicher Tiefe, dies kann man dem Film positiv anrechnen. Achja, für all jene, die Realismus, Logik und physikalische Gesetze suchen… nicht in diesem Film, bitte weitergehen, für euch gibt es hier nichts zu sehen.

“Kato, we have a secret mission!”

Von verbogenen Läufen und ungeschriebenen Hollywood-Gesetzen

Britt Reid und Kato, die beiden Protagonisten, haben die besten Ideen, nachdem sie einen gehoben haben. Der Film zeigt, warum man solche Schnapsideen am nächsten Tag normalerweise wieder verdrängt. Natürlich geht im Film alles gut, aber nur dank des ungeschriebenen Hollywood-Gesetzes, dass alle Schießeisen der Bösewichte gekrümmte Läufe haben müssen. Die Story wird recht rasch erzählt und diese rasante Erzählweise lässt dem Betrachter wenig Zeit darüber nachzudenken, was man eigentlich aufgetischt bekommt. So verzeihe ich hier dem Drehbuch seine Löcher, vor allem aus Dankbarkeit, dass es noch ein paar Comic-Verfilmungen gibt, die sich selber nicht zu ernst nehmen. Und wenn nicht gerade irgendwo etwas explodiert, Cameron Diaz angebaggert wird und auch gerade keiner zum in die Nüsse hauen da ist, hat man Spaß dabei, Supergenie Kato beim Bauen oder Testen seiner Gadgets zusehen – was seit den 80ern, dank A-Team und MacGyver, jedem männlichen Wesen in die DNA gebrannt wurde. Das hätte man meiner Meinung nach auch gerne noch etwas ausbauen können, denn dafür, wie liebevoll und schön sie entworfen wurden, erhalten die nützlichen Kreationen eindeutig zu wenig Aufmerksamkeit.

Fazit von Lugaz

Kein Meisterwerk, kein episches Versagen, der perfekte Film fürs Kino, wenn auch kein ‘Must-See’. Ob mit Freundin oder Freunden, vorstellbar ist beides. The Green Hornet ist ein kurzweiliger Film mit amüsanten Dialogen, bei dem der verbale Schlagabtausch auch mit dem physischen mithalten kann, und all das auf einem ganz passablen Level. Sehr dankbar bin ich auch für das abgeschlossene Ende, welches nicht auf eine Fortsetzung schließen lässt. Nicht etwa, weil der Film grauenhaft war, sondern einfach weil Filme nun mal keine Serien mit wenigen, langen, meist immer schlechter werdenden Episoden sein sollten. Werden wir dennoch mit einem zweiten Teil beglückt, wäre es zu verkraften, allein schon, weil ich für meinen Teil sehr gerne mehr von Jay Chou in Hollywood-Produktionen sehen würde.

Wenn ich den Film vor meinem geistigen Auge Revue passieren lasse, dann mit einem doch sehr positiv geprägten Bild und mir fällt nichts ein, was ich dem Film groß negativ vorhalten könnte. Die Besetzung von Komödienstar Seth Rogen, die Regie des schrägen Michel Gondry und der Trailer, sollten jedem schon vorweg verraten, worauf er sich bei diesem Film einlässt. Sieht man den Film mit dieser Erwartung, wird man sogar positiv überrascht sein, wie gut diese Kombination funktioniert.

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