The Ides of March

The Ides of March

George Clooney reitet im Augenblick auf einer unglaublichen Erfolgswelle. Der smarte Hollywood-Mime gewann bei den 69. Golden Globes den Preis als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in dem Familiendrama The Descendants und gilt auch als großer Oscar-Favorit. Es wäre bereits sein zweiter Erfolg bei den Academy Awards, nachdem er zuletzt 2006 als bester Nebendarsteller in Syriana ausgezeichnet wurde.

Doch Clooney kann mehr als nur Schauspielern. Der 50-Jährige führte bereits in vier Filmen Regie und schreibt seit kurzem auch noch Drehbücher. Und so ganz nebenbei gehört er auch noch zu den politisch engagiertesten Stars in den Vereinigten Staaten. Er ist Anhänger der demokratischen Regierung um Präsident Barack Obama und gilt als Aushängeschild der Liberalen in Hollywood. Da verwundert es nicht, dass er sich jetzt auch in seiner Position als Filmstar einer politischen Geschichte zugewendet hat. Und das, wie sollte es anders sein, mit Erfolg.

„I’m not a Christian. I’m not an Atheist. I’m not Jewish. I’m not Muslim. My religion, what I believe in, is called the Constitution of the United States of America.“

George Clooney und die Politik

Denn mit The Ides of March schrieb, drehte und produzierte er einen der erfolgreichsten Streifen des Jahres. Basierend auf einem Theaterstück von Beau Willimon (mit dem Titel Farragut North) beschäftigt sich Clooney, der selber auch noch eine der Hauptrollen übernimmt, mit den Vorwahlen der Demokraten und schildert das Rennen zwischen Gouverneur Morris (Clooney) und Senator Pullman (Michael Mantell) um die Präsidentschafts-Kandidatur. Der Clou: die Republikaner haben keinen nennenswerten Gegner vorzuweisen und so winkt dem Sieger schon beinahe der Einzug ins Weiße Haus.

Die beiden Politiker und ihre Wahlkampfteams liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Wählergunst. Mitentscheidend für den Erfolg ist die Wahl im US-Bundesstaat Ohio. Hier setzt der Film an und legt sein Hauptaugenmerk auf die Menschen hinter den Kandidaten. So steht Hollywood-Größe Philip Seymour Hoffman (Oscar-Preisträger für Capote) als Wahlkampfmanager Paul Zara auf Seiten von Morris, während sein Kollege Paul Giamatti (Der Soldat James Ryan, Das Comeback) als Tom Duffy für Pullman arbeitet. Die wichtigste Rolle hat allerdings Shootingstar Ryan Gosling (Drive, Crazy, Stupid, Love.) inne. Der spielt Stephen Myers, die rechte Hand von Zara. Er ist nicht nur ein großer Anhänger des Gouverneurs, sondern auch ein Genie mit der Presse und der Öffentlichkeit sowie einer der intelligentesten und fähigsten Leute in Morris’ Team.

„All the reporters love you. Even the reporters that hate you still love you.“

Skandale und Korruption

Als sich Myers jedoch auf ein geheimes Treffen mit Duffy einlässt, kommt es zum Eklat. Sein Freund und Boss Zara verpfeift ihn erst bei der Journalistin Ida (Marisa Tomei, The Wrestler, Oscar für My Cousin Vinny), wirft ihm dann fehlende Loyalität vor und schmeißt ihn letztlich hochkant aus dem Wahlkampf-Team. Als Myers auch noch erfährt, dass seine Freundin, die Praktikantin Molly (Evan Rachel Wood, The Wrestler), von dem verheirateten Morris nach einer Party geschwängert wurde, nimmt der Skandal seinen Lauf und die schmutzigen Seiten der Politik in The Ides of March Überhand.

Der Film ist ein fesselndes Politdrama, auch wenn dem interessierten Zuschauer nichts Neues präsentiert wird. Mit Korruption in der Politik wird schließlich gerechnet und das ausgerechnet der Bilderbuch-Kandidat, von dem man einen Umschwung erwartet, über den ein oder anderen Skandal stolpert ist leider Gang und Gebe. Doch die Adaption ist Clooney und seinem Drehbuch-Kollegen Grant Heslov mehr als gelungen. The Ides of March wird zu keinem Zeitpunkt langweilig oder voraussehbar, selbst über die Bedeutung des Endes lässt sich streiten. Dazu kommt der Soundtrack von Alexandre Desplat (vier Oscar-Nominierungen, unter anderem für The King’s Speech), der die Stimmung des Films immer wieder passend untermalt.

„I can’t find the goddamn polls!“

Ryan Gosling auf dem Weg zur Schauspielelite

Außerdem beweist Clooney, dass er als Regisseur auch die ganz großen Namen im Filmgeschäft unter Kontrolle hat und aus ihnen viel herausholen kann. Seymour Hoffman, Giamatti, Gosling, Tomei und Wood, aber auch Jeffrey Wright (Casino Royale, Ein Quantum Trost), der den opportunistischen Senator Thompson spielt, und die anderen Nebendarsteller machen einen erstklassigen Job.

Ryan Gosling ist es aber, der den Film über weite Strecken trägt. Ist er zu Beginn noch der nette und idealistische Junge, der an das Gute glaubt, so wandelt er sich von Minute zu Minute mehr zu einem – gezwungenermaßen – kaltblütigen und eiskalten Politberater. Angewidert von sich selber, aber ohne Illusionen, geht er seinen Weg und zeigt, dass in diesem Geschäft kein Platz für Ehrlichkeit ist.

„You can lie, you can cheat, you can start a war, you can bankrupt the country, but you can’t fuck the interns. They get you for that.“

Fazit von Wolfgang

George Clooney rechnet in The Ides of March knallhart mit der Politik und all ihrer Korruption ab. Er zeigt einen Politapparat, mit dem man am liebsten nichts zu tun hätte. Unterstützt wird er von einer tollen Riege an Schauspielern, an deren Spitze Ryan Gosling mit einer starken Performance glänzt. Nicht umsonst wurde der Film für vier Golden Globes nominiert. Man bekommt zwar keine Offenbarung geboten und das ein oder andere Puzzleteil passt ein wenig zu gut, aber das schadet dem Gesamtbild kaum. Hier ist Clooney wirklich ein sehr guter Film gelungen.