The Raid

The Raid

Was treibt ein Waliser mit zig Indonesiern und einem beachtlichen Ärztestab in einem Hochhaus? Wohl kaum eine Geschichte erzählen.

Gareth Evans macht seinen Master als Drehbuchautor für Film und Fernsehen in Wales, bekommt das Angebot, einen Dokumentarfilm über die Kampfsportart Pencak Silat zu drehen und verliebt sich. Er verliebt sich in den Sport und in die Kunst, die hinter diesen Stilen stecken. Nachdem er die Bekanntschaft mit Iko Uwais macht, der bestens mit Pencak Silat vertraut ist und für eine Telefonfirma arbeitet, dreht er 2009 den Actionfilm Merantau.

Bereits vor einem Jahr sah ich mir den Trailer zu ihrem neuen Film The Raid im Internet an – und seit dem immer und immer wieder. Dass er in Sundance gefeiert wurde und in Toronto den Midnight Madness Award gewann heizte mir nur noch mehr ein. Nach angsterfüllten Monaten und Vermutungen, The Raid starte bei uns direkt auf DVD, konnte ich mich dann doch auf einen Kinobesuch freuen. Dieser Insider mag nicht überall laufen, aber bei mir lief er.

If I’m mad, I will enrage.

Worum geht es?

Diese Frage lasse ich lieber unbeantwortet. Man darf nichts vorweg nehmen und das enorme Mysterium um The Raids verstrickte Handlung nicht enthüllen. Nur so viel sei verraten: vielschichtige Helden und Fieslinge, verzwickte Bindungen und bewegende Motivationen treiben The Raid voran. Zwischendurch gibt es auch mal ein bisschen Gehaue, aber stets wartet man nur auf den nächsten Dialog und ist gespannt, was sich wohl noch offenbaren mag. Aber nun im Ernst: Es gibt keine nennenswerte Handlung. Kein Mysterium und keine Twists. Dafür geht vieles kaputt, seien es nun Möbel oder Menschen, Arme oder Beine.

Aus seinem Apartment beobachtet der Gangsterboss Tama, wie sich eine Gruppe von Polizisten zu ihm hochzuarbeiten versucht. Er hetzt seine zig Handlanger auf die Truppe, welche die nächsten 90 Minuten damit zubringt, um ihr Leben zu ballern, zu kloppen und zu schlitzen.

Go to work and have a fun.

Dauerbrenner

Kurzum lässt sich sagen: Das Konzept besticht durch seine Einfachheit. Aber in diesem Wissen geht man rein und mit einem Lächeln kommt man wieder raus. Ohne den Anspruch zu haben, eine fesselnde Geschichte erzählen, oder sokratische Gespräche führen zu wollen, pumpt sich The Raid selbstbewusst durch die Stockwerke. Während am Anfang noch mächtig geschossen wird, können sich die jungen Polizisten bald nur noch auf ihre rasant fliegenden Fäuste verlassen und das macht dann richtig Spaß. Ich persönlich habe selten so schnell aufeinanderfolgende Actionszenen gesehen, die nur hin und wieder durch Dialoge und Handlung unterbrochen werden. Großartige Arbeit haben Regisseur Evans, Hauptdarsteller Iko Uwais und Stuntkoordinator Yayan Ruhian mit der Choreografie geleistet und auch die spannenden Szenen können sich sehen lassen. Man kommt desöfteren immer wieder zum Nägelkauen und darf mitfiebern. Die Kamera hat, wobei sie anfangs katastrophal nervös und wackelig ist, besonders während der Kämpfe viele gute Ideen und der Schnitt funktioniert super. Die Darsteller sind vielleicht keine Charaktermimen, aber selbst die Statisten, oder in diesem Fall die Stuntmen, passen perfekt ins Bild der heruntergekommenen Drogengang und können allem Anschein nach auch gut einstecken.

Pulling a trigger is like ordering a takeout.

Ungereimtheiten und anfängliche Hektik

Sicherlich ist Hektik für einen Actionfilm immer gut, aber man sollte noch alles erkennen können. Anfangs hatte ich bei The Raid so meine Sorgen und auch wenn er sich nach der ersten halben Stunde diesbezüglich fängt, hinterließen die Schießereien aufgrund der ständigen Wackelei keinen so guten Eindruck bei mir. Darüber hinaus sind die Motivationen der Hauptfigur, den Auftrag vollständig auszuführen nicht gerade eindeutig. Aber ehrlich gesagt sind mir solche Kleinigkeiten bei diesem Film eher von zweitrangiger Bedeutung. Ich hätte einige Handlungserweiterungen nicht gebraucht (Stichwort „Grauhaariger“ und der Bruder), aber sie stören auch nicht.

This is the thing. This is the pulse, This. Is what I do.

Brutalität

Für viele Kritiker war die gezeigte Gewalt ein heftiger Kritikpunkt, aber The Raid testet meiner Meinung nach keine Grenzen aus, wie diverse Torture-Porns oder Splatterfilme, sondern sie sind ihm einfach egal. Er will damit nicht provozieren oder schockieren. Die Gewalt passiert einfach im Rahmen der Kämpfe wie etwas völlig beiläufiges – nur eben permanent. „Unmenschlichkeit“, wie viele es genannt haben, verstehe ich nicht als negativen Aspekt. The Raid sind eben auch die Menschen einfach egal. Ein Film passiert auf der Leinwand und dort hat er jede Freiheit. Welchen Filmen müsste man dann sonst noch Unmenschlichkeit vorwerfen?

Please enjoy yourself!

Fazit von Moviemax

Wie sich erkennen lässt, ist The Raid als erzählendes Medium nicht so einfach zu betrachten. Man hat jede Menge Spaß und es steht einem mehrmals pro Minute der Mund offen. Dass dieser Film es schafft, den Adrenalinpegel für so lange Zeit so hoch zu halten, ist bemerkenswert, auch wenn er erzählerisch nicht viel, naja eigentlich gar nichts mitzuteilen hat. Freunde handgemachter Action und furioser Kampfkunst sind hier richtiger als bei jedem anderen Film der vergangenen Jahre. Es ist einfach schön, ein Werk zu sehen, bei dem sich keiner auch nur die geringsten Gedanken gemacht hat, was eventuell zu hart oder zu brutal seien könnte. Stattdessen präsentiert er das, weswegen man ihn sich ansieht: Handkanten in fremden Gesichtern die ein Grinsen auf unser Antlitz zaubern.

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