Die 10 besten musikalischen Momente der Filmgeschichte (1/2)

Die 10 besten musikalischen Momente der Filmgeschichte (1/2)

Man sagt ja, dass Musik das wildeste Biest besänftigt, doch es scheint, dass die ‘besten’ von Musik angetriebenen Filmszenen gerade gegenteiliges bewirken: Sie bringen stampfende Füße, klatschende Hände und schwingende Hüften. Ein im richtigen Moment eingesetzter Song – wie etwa das hymnenhafte ‘Tiny Dancer’ in Cameron Crowes inspirierendem Almost Famous – kann einen unvergesslichen Eindruck für kommende Generationen hinterlassen.

Wer Filme liebt weiß genau, was ein perfekt platziertes Stück Musik bewirken kann. Es gibt Szenen in manchen Filmen die so wunderbar sind, dass sie quasi auf Anhieb zu Klassikern werden. Sie haben großen Wiedererkennungswert und jeder der den Film gesehen und geliebt hat wird, wenn darauf angesprochen, zwangsläufig diese eine Szene erwähnen, den Song kennen und kann (und üblicherweise wird) die dazugehörigen Textzeilen zitieren. Mit dieser Liste sollen diese kom­po­si­to­rischen Meisterwerke innerhalb von Filmen gewürdigt werden.

Bevor wir nun unseren Countdown beginnen, hier noch die Regeln die ich mir für die Auflistung gestellt habe:

  • KEINE MUSICALS
    So sehr ich The Sound of Music oder Singin’ in the Rain auch schätze, die musikalischen Nummern in diesen Filmen sind von vollkommen anderer Art als, sagen wir, John Cusacks Boombox-Szene in Say Anything. Beide haben ihren Platz in der Filmgeschichte, in meiner Liste allerdings nur letztere.
  • KEINE ORIGINALE FILMMUSIK
    Ich liebe John Williams, ich vergöttere Hans Zimmer, doch deren Werke mit den hier angeführten konkurrieren zu lassen und daraus dann die 10 besten zu picken, wäre ein Projekt, dem ich beim besten Willen nicht gewachsen wäre. Dies erklärt unter anderem das Fehlen der Cantina Band aus Star Wars Episode IV oder Casablancas ‘As Time Goes By’.
  • KEIN REGISSEUR DARF ZWEIMAL GENANNT WERDEN
    Klar, man könnte alleine für David Lynch oder Wes Anderson je eine eigene Top 20 Liste erstellen, doch um mich selbst noch ein bisschen mehr zu quälen, habe ich mir zum Ziel gesetzt nur den einen, am besten inszenierten musikalischen Moment eines Regisseurs in die nähere Auswahl zu rücken, um daraus dann meine Top 10 zu kreieren. Aus dieser, der härtesten, Regel resultiert die Abwesenheit Tarantinos, Scorceses als auch der Coen Brüder. Keinem objektiv betrachtenden Menschen kann es möglich sein, aus all den unvergesslichen, sofort zu Kult gemeißelten Momenten, DEN einen herauszupicken.

Ready? Auf los geht’s los!

Die besten musikalischen Momente der Filmgeschichte – Teil 1

Platz 10: AMERICAN BEAUTY – American Woman

Es gibt so vieles das American Beauty zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme macht. Die Vielfalt an großartigen musikalischen Szenen ist unfassbar, aber diese ist wohl die beste. Lester ist, nachdem er sich von seinem ach so verhassten Job, dank einer kleinen, kreativen Erpressung auch noch mit einer feinen Abfindung im Gepäck, verabschiedet hat, endlich frei! Er fährt die Straße entlang, raucht Marihuana und singt zu ‘American Woman’ als er sich dazu entschließt einen Abstecher zu Mr. Smileys Burger zu machen. Dort bekämpft er seinen Heißhunger und erkennt, wo er seinen neuen Platz auf der Karriereleiter sieht.

Platz 9: DR. STRANGELOVE – We’ll Meet Again

Vera Lynns Sperrstunden-Gassenhauer, einst konzipiert um die Kriegsmoral anzukurbeln, lässt das pilzförmige Armageddon, am zerstörerischen Schluss von Stanley Kubricks schnellfüßiger Satire, erblühen. ‘We’ll meet again some sunny day’ balzt Lynn, als die Bilder den Worten eine neue Bedeutung einhauchen: Menschheit und Bombe treffen sich in einer Netzhaut-versengenden, ewig währenden Nacht. Kubrick hatte noch eine alternative Sequenz für das Schlusslied gedreht, doch könnte diese nicht abscheulich angemessener sein.

Platz 8: BLUE VELVET – In Dreams

Den Begriff ‘Lynchesque’ zu definieren scheint unmöglich, doch versuchen kann ich es: Er ist bizarr, retro, er ist so ungemütlich amerikanisch, dass man danach nicht mehr an den Punkt zurückkehren kann an dem man war, bevor man die Welt David Lynchs zu sehen bekam. Dean Stockwells einzigartig verstörende Playback Einlage für seine mehr oder minder freiwillige Audienz ist der Moment in dem Lynch seine Haken endgültig in unserem Unterbewusstsein befestigt hat. Es ist die Blaupause des lynchesquen Moments.

Platz 7: CHUNGKING EXPRESS – California Dreamin

Ich kann mir nicht vorstellen dass es da draußen Menschen gibt, die nach dem Sehen von Chungking Express nicht sofort damit beginnen The Mamas & the Papas Klassiker aus dem Jahre 1965 zu singen. Urbane Einsamkeit ist das Hauptmotiv dieses Films, der zwei separate Handlungsstränge erforscht die nur thematisch vereint sind. ‘California Dreamin’ ist Faye Wongs Kokon, ein Platz an dem sie nicht über den Rest der Welt nachdenken muss. Wenn sie sich gegen das Date und für das Flugzeug nach Kalifornien entscheidet, ist das ein Entschluss der sehr wahrscheinlich durch die Textzeilen ‘If I didn’t tell her, I could leave today’ inspiriert wurde.

Platz 6: BLUE VALENTINE – You and Me

Sobald die ersten Sekunden von ‘You and Me’ in Blue Valentine beginnen – untermalt von Ryan Goslings Hintergrundgesang im Motelzimmer – hat man das Gefühl ihn zu kennen. Eine raue, klimpernde Gitarre, reiche Harmonien und die herzerwärmende, hohe Stimme. Süß und herzerwärmend. Es ist Dean und Cindys Song. Egal wie schlecht die Dinge sich entwickeln, dieses Lied scheint die guten, unschuldigen Zeiten zurückkehren. Blue Valentine präsentiert uns Liebe, wie Trainspotting uns Heroin präsentiert hat: Vom magischen, himmlischen ersten Hoch bis zum krachenden, abstürzenden Niedergang.

Die besten fünf musikalischen Momente der Filmgeschichte könnt ihr in unserem nächsten Teil nachlesen.