Thor

Nach den beiden Iron Man-Filmen reihen sich Thor, wie auch Captain America, in die Marvel Franchise rund um The Avengers ein. Beide sollen als eigenständige Filme funktionieren, aber gleichzeitig auch auf das Zusammentreffen der Marvel-Figuren 2012 vorbereiten. Es wird eine Reihe von Superhelden und Bösewichtern vorgestellt, die in den nächsten Jahren über die Kinoleinwände flimmern werden. Auf jeden Fall macht Thor schon mal neugierig darauf, was Marvel noch so alles für uns bereithält.

Als Fan von Superhelden war es für mich quasi Pflicht, auch diesen Film anzusehen. Ich kannte die Geschichte um Thor, wie Marvel sie erzählt nicht, und ich bin auch nicht besonders bewandert in nordischer Mythologie – für mich war der Streifen also etwas völlig Neues.

“Whoever wields this hammer, if he be worthy, shall possess the power of Thor.”

Der unwürdige Prinz

Thor (Chris Hemsworth), der Sohn Odins (Anthony Hopkins) ist der Thronerbe Asgards. Er schwingt mit zerstörerischer Effizienz den legendären Hammer Mjölnir und ist ein überheblicher, stolzer Hitzkopf. Als Gott des Donners kann er mit seinem Hammer Blitze und Stürme heraufbeschwören, fällt in Ungnade bei seinem Vater und wird auf die Erde verbannt. Dort muss er sozusagen erst beweisen, dass er seine Macht überhaupt verdient. Thor mag ein guter Kämpfer sein, aber wäre er auch ein guter König?

Als Held der Geschichte hat Thor erstaunlich wenig Tiefe. Ja, er muss einiges durchmachen als er auf der Erde landet, aber so richtig leid tat er mir nicht. Das liegt wohl weniger an Hemsworths (Star Trek) Darstellung des Charakters, sondern vielmehr am Drehbuch. Es neigt dazu zu viel Augenmerk auf die Action zu legen, als einmal kurz inne zu halten und Thors inneren Konflikt etwas besser zu beleuchten. Dieser Konflikt geht in all dem Karacho leider unter und wirkt in seiner Lösung etwas platt. Hätte man ein wenig mehr Zeit darauf verwendet, Thor mehr Facetten zu verleihen, hätte mir der Film wohl noch besser gefallen.

Viel mehr berührt hat mich dagegen Thors Bruder Loki (Tom Hiddleston) – der ewige Zweite. Allein diese Disposition verleiht ihm eine gewisse Tragik, die ihn so viel sympathischer erscheinen lässt, als wenn er nur ein einfacher Freund Thors wäre. Hiddlestons Schauspiel hat etwas an sich, das jede Szene mit ihm interessant macht und dadurch den gesamten Film aufwertet.

Von Natalie Portman und Hopkins darf man sich hier keine herausragende Glanzleistung erwarten – sie beide spielen zwar auf einem ihnen angemessenem Niveau, für mehr sind ihre Rollen aber viel zu stereotypisch und flach.

“You are unworthy of your title, and I’ll take from you your power! In the name of my father, and his father before him, I cast you out!”

Wikinger im Weltraum

Asgard sieht ein wenig aus wie ein Raumschiff auf dem Wikinger mit langen Mänteln und schweren Waffen ihre Gelage und Feste feiern. Fast jeder dort hat Superkräfte, und Magie ist selbstverständlich. Überall glänzt und glitzert etwas – gigantische Bauwerke aus Gold, anderen Metallen und Stein lassen es zum einen riesig und zum anderen sehr sehr unwirklich aussehen. Alles sieht überdimensional groß aus: Asgard ist eben ein Königreich für Götter. Sehr beeindruckt haben mich dabei vor allem die Regenbogenbrücke und der Bifröst, das Tor zu den Welten. Dennoch kommt einem Asgard und auch Jötunheim zusehends unwirklich und plastikhaft vor – teilweise sehen die Dinge dort einfach zu perfekt aus – oder verglichen mit Iron Man, beispielsweise, zu comichaft.

Ich fand es erfrischend, dass man sich hier ein wenig von der etwas angestaubten Darstellung der nordischen Mythologie, in der einfach alles aus Stein gemacht zu sein scheint, entfernt hat. Auf diese Weise kommt man weniger in Versuchung, alles 1:1 mit dem überlieferten Stoff zu vergleichen. Thor basiert nämlich auf einem Marvel-Comic, und nicht auf der Edda.

“How dare you attack the son of Odin!”

Hammer Action

Der Zusatz “3D” ist meiner Erfahrung nach nicht immer ein Qualitätsmerkmal. Oftmals ist man schnell von den hektisch durch die Gegend fliegenden Trümmern überfordert, und ermüdet zusehends. Bei Thor ist dieser visuelle Overkill angenehm gering. Dennoch kann er – einmal abgesehen von einem Monster in Jötunheim, das ich völlig schrottig fand – mit gelungenen Special Effects überzeugen. Sehr cool sind die Kampfsequenzen, in denen Thor seinen Hammer durch die Gegend wirft, und seine Feinde scheinbar mühelos zermalmt.

“For the first time in my life I have no idea what I am supposed to do …”

Fazit von Johanna

Thor ist ein solider Superhelden-Film mit viel Action und Witz. Meine Erwartungen für gute Abendunterhaltung ohne zuviel Anspruch hat er ohne Mühe erfüllt, und sogar übertroffen. Die Special Effects dürfen sich sehen lassen und die 3D-Effekte überfordern das Auge nicht. Anfänglich mag man durch die vielen ungewöhnlichen Namen (Heimdall, Mjölnir, Jötunheim, …) etwas verwirrt sein, das legt sich aber im Lauf der Story. Chris Hemsworth zeigt einen erst überheblichen und stolzen, dann einen demütigen und bedachten Helden. Thor mag vieles sein, aber bestimmt nicht unvorhersehbar: es fehlen die Überraschungsmomente, die einen Film tatsächlich spannend machen. Nichtsdestotrotz macht er neugierig auf die weiteren Marvel-Verfilmungen.

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