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Ohne Limit

Wer kennt ihn nicht, jenen amerikanischen Traum. Vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Versager zum gefeierten Helden. Doch in Wirklichkeit bleibt der amerikanische Traum meistens eben nur ein Traum – die Liste derer, die ihn tatsächlich verwirklicht haben, ist kurz. Und wahrscheinlich würde es für Eddie Morra, dem von Bradley Cooper verkörperten Hauptprotagonisten in Neil Burgers (The Illusionist) neuem Thriller Ohne Limit, keinen Deut besser laufen. Denn er ist wirklich ein Versager, eine arme Sau, dem nicht nur die Freundin wegläuft, sondern auch die Mittelosig- und Obdachlosigkeit droht. Der Vorschuss für seinen ersten Roman ist aufgebraucht, aber noch hat er kein Wort geschrieben. Seine Verlegerin verliert langsam die Geduld mit ihm, genauso wie sein Vermieter, dem er inzwischen mehrere Monatsmieten für ein heruntergekommenes Apartment schuldet.

Ja, es sieht außerordentlich schlecht aus für Eddie Morra. Doch wie es der Zufall so will trifft er inmitten von New York City seinen Ex-Schwager Vernon (Johnny Whitworth) wieder. Der hat früher mit Drogen gedealt, scheint sich aber in den neun Jahren seit ihrem letzten Zusammentreffen gemacht zu haben. Doch der Schein trügt, bei einem Nachmittags-Drink offenbart Eddie seine Probleme, für die Vernon auch prompt einen Lösungsvorschlag parat hat: eine Wunderdroge namens NZT, die jedermann unglaubliche Möglichkeiten eröffnet. Bekanntlich nutzt der Mensch nur etwa 20 Prozent seines Gehirns, doch mit NZT hat das ein Ende. Das neue Mittel ermöglicht dem Konsumenten auf seine gesamte Hirnkapazität zurückzugreifen. So lassen sich Sprachen in Windeseile lernen, Wissen, dass man schon lange wieder vergessen hat, kann abgerufen werden, schwierige Sachverhalte verstanden und sämtliche Gedanken perfekt sortiert werden. Kurz: mit NZT ist der amerikanische Traum ein Klacks.

„You know how they say we can only access 20% of our brain? This lets you access all of it!“

From Zero to Hero

Vernon schenkt Eddie eine solche Pille, der kämpft zunächst mit sich, nimmt sie aber schlussendlich doch ein. Der Effekt lässt nicht lange auf sich warten. Er hilft der Frau seines Vermieters im Handumdrehen bei einer juristischen Hausarbeit (nebenbei schläft er auch gleich mit ihr) und braucht eine gefühlte halbe Stunde für sein Buch. Als aber am nächsten Morgen die Wirkung nachlässt, ist für Eddie klar: Ich brauche mehr davon! Blöd nur, dass Vernon überaus unfreiwillig aus dem Leben geschieden ist und von nun an in Ohne Limit keine Rolle mehr spielt. Das hält Eddie aber keineswegs auf, in Vernons Wohnung findet er einen versteckten NZT-Vorrat und befindet sich von nun an auf der Überholspur.

Plötzlich wird aus Eddie, dem Versager, tatsächlich Eddie, der Held. Die neue Rolle gefällt ihm sichtlich, innerhalb von zwölf Tagen macht er aus knapp tausend über zwei Millionen US-Dollar an der Börse, gewinnt seine Freundin Lindy (Abbie Cornish) zurück und wird an der Wall Street schon ehrfürchtig als der „Börsenguru der Neuzeit“ gefeiert. Da passt es, das der Milliardär und Energietycoon Carl von Loon (Schauspiel-Legende Robert de Niro) auf Eddie aufmerksam wird und sich seinen Rat bei einem Millionendeal sichert. Besser könnte es für Eddie eigentlich nicht laufen.

Eigentlich. Denn bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt. Die Kehrseite der Medaille hat es nämlich gehörig in sich. Da wäre zum einen ein russischer Mafiosi, der Eddie an den Kragen will, falls er ihn nicht mit NZT versorgt und zum anderen ein skrupelloser Killer, der ebenfalls vor nichts zurückschreckt, um an die Wunderpillen zu kommen. Zu guter Letzt hat die Droge selbstredend auch seine Nebenwirkungen. Setzt man sie ab, wird man Krank – wenn man Glück hat. Denn bei zu hohem Konsum hat man nach dem Absetzen keinerlei Überlebenschance. Außerdem führt die Droge bei falscher Einnahme zu Gedächtnisverlust und Rastlosigkeit. Blackouts sind für Eddie keine Seltenheit mehr und die Entzugserscheinungen werden immer größer. Um am Leben zu bleiben, braucht Eddie NZT. Koste es, was es wolle.

„Your powers are a gift from God or whoever the hell wrote your life script.“

Ein Film wie ein Trip

So entwickelt sich Ohne Limit zu einer rasanten und spannenden Achterbahnfahrt. Burgers vierter Film fesselt den Kinozuschauer, der kaum einen Blick von der Leinwand lässt. Dafür sorgen jedoch nicht nur die wahnwitzig schnell ablaufenden Handlungsstränge, sondern auch die Visualisierung. Bei jedem NZT-Trip verändern sich die Farben, die Geschwindigkeit, die Wahrnehmung. Der Film gibt einem schon fast das Gefühl, selber auf einem solchen Trip zu sein. Die Wirkung von NZT ist bildlich beeindruckend dargestellt. Die ausgewählten Indierock-Songs untermalen das Gezeigte ebenfalls stimmig. Burger beherrscht sein Handwerkszeug und schafft somit einen atmosphärisch dichten und packenden Thriller.

Die Rolle Eddie Morras passt perfekt zu Bradley Cooper, der seit der Erfolgskomödie The Hangover zu den gefragtesten Stars in Hollywood gehört. Er schafft den Spagat zwischen Versager und Erfolgsmensch. Seine zerzausten Haare und sein müder Blick spiegeln Ersteres wieder, seine strahlenden blauen Augen und sein selbstbewusstes und bestimmtes Lächeln Zweiteres. Man fiebert mit Eddie mit und fragt sich, wie er es aus der immer größer werdenden Bredouille schaffen soll.

Robert De Niro spielt seine Nebenrolle als Carl van Loon souverän, ohne dabei aber mit seinem Talent besonders zu glänzen. Das könnte aber schlichtweg an der fehlenden Tiefe des Charakters liegen. Van Loon ist sehr eindimensional und wird von de Niro auch so dargestellt. Überraschend ist die Performance von Abbie Cornish, die als Eddies Freundin Lindy in einigen markanten und für die Handlung wichtigen Szenen überzeugt. Auch die beiden Gegenspieler Andrew Howard und Tomas Arana spielen ihre Rollen durchweg solide.

„No scenario? I see every scenario, I see 50 scenarios, that’s what it does. It puts me 50 moves ahead of you.“

Der Tiefgang fehlt

Das Problem ist jedoch nicht nur bei Carl van Loon die fehlende Tiefe. Das gesamte Drehbuch von Leslie Dixon (basierend auf einem Roman von Alan Glynn) zeichnet sich zwar durch Spannung, aber eben nicht durch besagten Tiefgang aus. Die Charaktere, mit Ausnahme des Hauptakteurs, sind austauschbar. Dem Zuschauer dürfte es schwer fallen, eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Außerdem werden einige Handlungsstränge nicht zu Ende geführt und Probleme heimlich, still und leise gelöst, ohne Erklärung oder Rechtfertigung. Selbst das überraschende und sicherlich interessante Ende ist bei weitem nicht perfekt und weist einige Lücken auf.

Die Drogenproblematik wird ebenfalls nur oberflächlich angeschnitten. Die Lehre des Films ist nicht etwa, dass Drogen schlecht für den Menschen sind, sondern eher, dass sie bei einem „verantwortungsbewussten“ Umgang sogar förderlich sein können. Natürlich zeigt Ohne Limit auch die Nebenwirkungen von NZT und verdeutlicht die Folgen bei Missbrauch, aber nichts desto trotz wird diese Thematik mehr oder weniger unter den Tisch gekehrt.

7 / 10

Fazit von Wolfgang

Ohne Limit ist ein spannender und schneller Thriller mit Schwächen. Der Film sieht Visuell toll aus und ist von Regisseur Neil Burger durchaus überzeugend inszeniert. Das größte Problem ist das oberflächliche Drehbuch. Viele wichtige Handlungsstränge werden einfach übergangen, bei anderen machen es sich die Macher etwas zu leicht. Das fällt aber häufig nicht so ins Gewicht, da der Zuschauer durch den rasanten Ablauf ohnehin seinen Fokus auf wichtigere Dinge legt. Einen sehr guten Job macht Bradley Cooper in der Hauptrolle, seine Schauspielkollegen liefern ebenfalls ordentliche Leistungen ab, leiden aber unter dem Script. Letztendlich schmälert das Ohne Limit aber kaum, denn als Actionthriller fesselt der Film den Kinogänger für etwas mehr als anderthalb Stunden an seinen Sessel und ist somit für einen gelungenen Filmabend absolut zu empfehlen.

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