Resident Evil: Retribution

Resident Evil: Retribution

Resident Evil war anno 1996 einer der erfolgreichsten Videospiele-Titel auf der Playstation und gilt als Meilenstein im Genre des Survival-Horrors. Es folgten über ein halbes Dutzend weiterer Fortsetzungen, diverse Romane, Comics und Animationsfilme, die die Franchise bis heute recht lebendig halten. Natürlich bietet sich ein solcher Stoff auch für eine Umsetzung auf die große Leinwand an, besonders dann, wenn er als simpel gestrickter Zombie-Streifen mit genug Action und Gewalt das gemeine Publikum anzulocken vermag.

Der bekannteste deutsche Produzent Bernd Eichinger (Der Untergang, Das Parfum), der 2011 verschied, war schließlich federführend für die erste Adaption, die mit dem gleichnamigen Titel 2002 in die Kinos kam. Paul W. S. Anderson (Mortal Kombat, Alien vs. Predator) konnte als Regisseur gewonnen werden und die Hauptrolle übernahm das serbisch-russische Supermodel Milla Jovovich, die sich über die Jahre in Filmen wie Das Fünfte Element (1997) oder Ultraviolet (2005) als Schauspielerin in Europa und Hollywood etablieren konnte.

Tatsächlich war der Erfolg von Resident Evil so groß, dass diverse Fortsetzungen produziert werden mussten, die sich großteils nur noch lose an die Game-Vorlage halten: Resident Evil: Apocalypse (2004), Resident Evil: Extinction (2007) und Resident Evil: Afterlife (2010). Frau Jovovich alias Alice bekämpft in allen Teilen gegen die so korrupte wie bösartige Umbrella Corporation, die mit dem von ihnen geschaffenen T-Virus den Großteil der Weltbevölkerung in eine mutierende Zombie-Horde verwandelt hat.

Mit Resident Evil: Retribution folgt nun die von den Fans (deren Zahl nicht allzu groß ist, wie ich hoffe) sehnsüchtig erwartete Fortführung der Saga, die wiederum direkt an das Finale des Vorgängers anschließt. Natürlich ist Frau Jovovich erneut in der Hauptrolle zu sehen und ihr inzwischen angetrauter Ehemann Herr Anderson führt wiederholt Regie, in diesem belanglosesten und überflüssigsten Machwerk, das ich je gesehen habe…

“Sweet ride.”

Ein Film, der nichts hat,…

An dieser Stelle versuche ich in alter Tradition kurz den Inhalt des von mir begutachteten Films in knappen Worten zu erläutern. Ich will dies hiermit auch gerne tun: junge Frauen in knappen Outfits metzeln sich durch Zombie-Horden. Sie bewegen sich dabei von Örtlichkeit A nach Örtlichkeit B und dann nach Örtlichkeit C. Zwischendurch sterben ein paar Männer, die ihnen helfen wollen. Klone kommen auch vor. Viele Klone. Aber noch mehr Zombies. Auch mutierte Zombies. Am Schluss bekämpfen sich die Frauen in knappen Outfits. Das war’s. Mehr passiert nicht.

“What?”

…der nichts kann…

Ich habe, soweit ich zurückdenken kann, noch nie einen solchen vollkommen belanglosen Film gesehen, der an Irrelevanz und Plattheit praktisch unüberbietbar scheint. Hier gibt es keine einzige originelle Idee, keinerlei auch nur irgendwie erwähnenswerte Handlung, keine einzige gewitzte Dialogzeile, keine einzige interessante Figur und keine einzige Szene, die man nicht irgendwo schon einmal und noch dazu besser gesehen hätte.

Alles wirkt vollkommen austauschbar und beliebig. Dies geht in geradezu symptomatischer Weise soweit, dass die Schauplätze in der Filmlogik selbst nur noch Staffage, bloße Kulisse geworden sind, die einfach nur dazu dienen um die knapp bekleideten Frauen vor anderen Hintergründen die Zombies niedermetzeln zu lassen. Tatsächlich sind ebenso viele der Hauptfiguren völlig ersetzbar, da sie als Klone auftreten, die je nach Notwendigkeit des Drehbuchs anders motiviert sind. Weil die gesamte Geschichte zudem durchgehend vorhersehbar ist, kann Resident Evil: Retribution zu keinem Zeitpunkt auch nur den Ansatz eines Spannungsbogens aufbauen. Natürlich gibt es bemühte Schock-Effekte und ein paar kaum glaubhafte Versuche von Plot-Twists, aber selbst die genre-spezifischen Splatter-Momente wirken erschreckend unspektakulär. Keine Spur von Horror, nur zunehmende Langeweile, die einen beinahe einschlafen lässt, was durchaus eine erstaunliche Leistung für diese Art von Film ist.

Und selbst wenn man sich noch so bemüht, nicht nachzudenken über das Dargebotene und das Gehirn auf Durchzug schaltet, so wird man dennoch auf merkliche Weise immer wieder daran erinnert, dass der Autor (Paul W. S. Anderson himself) auf jegliche Logik oder Glaubwürdigkeit pfeift und darauf baut, dass das Publikum wirklich jede Dämlichkeit protestlos zu fressen vermag.

Ich weiß gerade nicht, ob ‚egal‘ einen Superlativ hat, aber für Resident Evil: Retribution ist er für die Rezeption in jedem Fall ausnahmslos anzuwenden.

“My name is Alice, and this is my world.”

…und nichts ist.

Ich hatte dereinst den Eindruck, Milla Jovovich wäre eine zumindest passable Schauspielerin. Das ist sie nicht. Zumindest nicht nach der Leistung. Fast 96 Filmminuten den gleichen Gesichtsausdruck beizubehalten ist keine Leistung. Aber damit reiht sie sich sehr gut in den Rest des vergessenswerten Casts ein. Lediglich Michelle Rodriguez soll kurz erwähnt werden, die man ja doch aus der Serie Lost (2004-2010), Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009) oder Machete (2010) kennen dürfte. Wobei man wohl fairerweise sagen muss, dass selbst der verdienteste Oscar-Preisträger bei einem solchen Drehbuch nur auf ganzer Linie zu verlieren vermag.

Man könnte noch erwähnen, dass zumindest das Produktionsdesign samt den Effekten und dergleichen halbwegs ordentlich gelungen ist, aber andererseits bedarf es wohl nicht viel einige blass geschminkte Statisten vor dem Greenscreen rumhampeln zu lassen und nachträglich die computergenerierte Kulisse einzukleben. In 3D soll Resident Evil: Retribution angeblich sein. Das merkt man wirklich nur bei der Eröffnungssequenz, die allerdings wiederum das Finale des Vorgängers ist und dafür dürften die Macher schlicht genug Zeit für eine ordentliche Nachbearbeitung gehabt haben.

Fazit von Spenz

Resident Evil: Retribution ist genau die Sorte Film, bei dem ich im Vorfeld keinerlei Erwartungen hatte und selbst dies wurde noch unterboten. Die Macher vermögen es nicht einmal, einen schlichten, kurzweiligen Zombie-Streifen mit ordentlich Action und ein paar Horror-Einlagen zu fabrizieren, nein, vielmehr haben sie hiermit die Quintessenz der cineastischen Belanglosigkeit geschaffen. Dies ist destillierte Überflüssigkeit in Reinform, wie sie sonst kaum wo jemals medial verbreitet wurde.

Wenn alles nur noch aus zigfach bekannten Versatzstücken besteht, die aneinandergereiht mit augenscheinlicher Lustlosigkeit runtergedreht werden um einfach nur irgendwie die nächste Fortsetzung in der Franchise zu rechtfertigen, die ein paar ideenlose Filmemacher zuviel Geld verdienen lässt, dann möge doch bitte das ohnehin schon verdumpfte Durchschnitts-Publikum wenigstens hier eine Ausnahme machen und im stillen Protest wider diesem kulturlosen Quatsch das Kinoticket einfach nicht einlösen.

Ja, auch ich kenne den Bodensatz des Zombiefilm-Genres, aber das hier ist noch die eine oder andere Liga darunter, vielleicht nicht einmal weil er handwerklich so dermaßen übel gemacht ist, sondern weil Resident Evil: Retribution es in keiner Sekunde wagt, auch nur den Ansatz von etwas Neuem und somit Spannendem, Interessanten zu bieten.

Albert Einstein soll einmal gesagt haben, die Definition von Wahnsinn sei es, immer wieder das Gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Nun, der repitative Dummsinn für ein abgestumpftes Publikum, das sich immer mit der gleichförmigen cineastischen Gülle neu zu unterhalten wähnt, hat hiermit seinen Höhepunkt erreicht. Jede Sekunde von Resident Evil: Retribution ist in der Beschauung verschwendete Lebenszeit. Sollte man sich selbigen dennoch antun wollen, empfehle ich für diese 96 Minuten alternativ eine schlichte, weiße Wand. Weniger Langeweile garantiert…

PS: Immerhin wissen wir nun, dass es neben Nazi-Zombies auch Kommunisten-Zombies gibt. Welch ein wertvoller Beitrag für das Zombie-Genre!