Ein verhängnisvoller Sommer

Ein verhängnisvoller Sommer

Es gibt Buchverfilmungen, wie zum Beispiel der Herr der Ringe, die Millenium-Trilogie, Trainspotting oder Die Verurteilten von Stephen King, die von Publikum und Kritikern gleichermaßen gefeiert werden und einen hohen filmischen Anspruch besitzen. Doch leider ist das nicht die Regel, vielmehr scheitern viele Adaptionen an den hohen Maßstäben ihrer Vorlage – aus manchen wird immerhin noch ein ansehnlicher Film, doch manche gehen durchweg kläglich unter.

Das Erstlingswerk von Pulitzer-Preisträger Michael Chabon (der unter anderem auch die Romanvorlage zum gelobten US-Drama Wonder Boys mit Michael Douglas, Robert Downey Jr. und Katie Holmes verfasste), Die Geheimnisse von Pittsburgh aus dem Jahr 1988, wurde nach seiner Veröffentlichung sofort zum Bestseller in den USA und erhielt durch die Bank weg gute Kritiken.

Da ist es eigentlich verwunderlich, dass Hollywood immerhin 20 Jahre brauchte, um den Roman letztlich zu verfilmen. Dies geschah 2008 unter dem deutschen Titel Ein verhängnisvoller Sommer unter der Anleitung von Regisseur Rawson Marshall Thurber, der zuvor hauptsächlich mit der Komödie Voll auf die Nüsse auf sich aufmerksam machte. In den Hauptrollen konnte er neben Jon Foster (Terminator 3 – Rebellion der Maschinen) immerhin namhafte Schauspieler wie Peter Sarsgaard (Jarhead, Boys Don’t Cry) und Sienna Miller (Der Sternwanderer) verpflichten. Zwei wichtige Nebenrollen sind mit dem dreimal für den Oscar nominierten Nick Nolte (Kap der Angst, Der Herr der Gezeiten) und Mena Suvari (American Beauty) nicht minder bekannt besetzt.

Eine gute Vorlage, ein starkes Cast. Eigentlich sind die Voraussetzungen für einen interessanten und hochwertigen Film damit gegeben. Eigentlich.

Sommer in Pittsburgh: Segen oder Flucht?

Doch worum geht es in Ein verhängnisvoller Sommer überhaupt? Im Pittsburgh der 1980er-Jahre steht der College-Absolvent Art Bechstein (Foster) vor dem „letzten Sommer meines Lebens“, denn danach muss er sich als Börsenmakler in der Welt der Finanzhaie durchsetzen. Doch auf einer Party lernt er die hübsche und auf ihn sexuell anziehend wirkende Jane Bellwether (Miller) kennen. Das Problem: sie ist mit dem Draufgänger Cleveland Arning (Sarsgaard) liiert.

So entwickelt sich zunächst eine Freundschaft zwischen den Dreien, die aber letztlich in viele sexuellen und gefühlsmäßigen Irrungen und Wirrungen endet. Dabei spielen dann auch noch Arts Ex-Freundin/Affäre/Chefin Phlox Lombardi (Suvari) und sein Vater, der Pittsburgher Mafia-Pate Joe Bechstein (Nolte), eine gewichtige Rolle.

Das Drehuch – ein Flop

Im Grunde handelt es sich hierbei um eine interessante, aber auch weitläufige Geschichte. Und genau hier liegt der erste und zugleich entscheidende Fehler des Films: das Drehbuch. Verfasst vom Regisseur selber, lässt das Skript nämlich schwer zu wünschen übrig und wird der Romanvorlage in keinster Weise gerecht.

Wichtige Handlungsstränge werden zu schnell abgehandelt, weniger Wichtige ziehen sich wie Kaugummi durch den gesamten Film. Die Handlung wirkt sehr oberflächlich, gewisse Prozesse, die zum Verständnis der Handlung beitragen würden, werden entweder gänzlich übergangen oder in kürzester Zeit abgehandelt.

Außerdem versucht der Film, mit Hilfe seiner Prämisse, eine gewisse Tiefe zu erreichen. Doch leider geschieht auch das weitestgehend Oberflächlich, so dass das Werk mehr oder weniger vor sich hin plätschert und ein krampfhafter Versuch entsteht, der Geschichte eine Moral zu verleihen.

Nur Nolte und Sarsgaard stechen hervor

Des Weiteren waren einige Schauspieler während der Dreharbeiten offensichtlich nicht auf der Höhe ihres Schaffens. So verfällt Mena Suvari in ein klassisches „Overacting“ und übertreibt in ihrer ohnehin schon ausgeflippten Rolle völlig. Die Hauptrolle des Art Bechstein wird von Jon Foster zwar solide, aber keineswegs erinnerungswürdig gespielt. Gleiches gilt für Sienna Miller, deren Part aber am deutlichsten unter dem schwachen Drehbuch zu leiden scheint. Die Lichtblicke von Ein verhängnisvoller Sommer sind Peter Sarsgaard und Altmeister Nick Nolte. Beide machen einen guten Job und können in einigen wenigen Szenen sogar brillieren.

Die Regie von Thurber wird dabei wohl für die nicht überzeugenden Schauspielleistungen mitverantwortlich sein. Der US-Amerikaner zeigt zwar gute Ansätze in seiner Arbeit, aber auch er scheint mit seinem eigenen Skript überfordert zu sein. Zu Loben ist jedoch sein Auge (und das seiner Kollegen an den Kameras) für beeindruckende Bilder und schön gefilmte Szenen. Denn hier liegt ein deutlicher Pluspunkt des Films, was übrigens auch für die Filmmusik gilt.

Fazit von Wolfgang

Ein verhängnisvoller Sommer ist, so hart es auch klingen mag, ein Film zum vergessen. Aus einen interessanten Story wird von dem Regisseur und Drehbuchschreiber Rawson Marshall Thurber ein uninteressanter Film gemacht, der nur mit wenigen Lichtblicken punkten kann. Dazu gehören der wiedererstarkte Nick Nolte, Peter Sarsgaard, die Kameraführung, die Fotographie sowie die Musik. Die anderen Aspekte, wie ein Großteil der Besetzung und das Drehbuch, sind hingegen maximal durchschnittlich. Es ist also ein Film entstanden, den man durchaus sehen kann, keineswegs sehen muss und an den man sich nach dem Sehen höchstwahrscheinlich nicht erinnern wird. So verwundert es nicht, dass Ein verhängnisvoller Sommer immerhin vier Jahre brauchte, um in Deutschland auf DVD (Erscheinungsdatum war der 24.02.2012) veröffentlicht zu werden.

Ein kurzes Wort zum Bonusmaterial…

Während die DVD-Edition durchweg mit einem gutes Bild und ansprechendem Ton (abgesehen von der deutschen Synchronfassung, die sich nicht ganz stimmig anhört, technisch jedoch gut gelöst wurde) punkten kann, kommt das Bonusmaterial aber sowohl bei DVD als auch bei der Blu-Ray deutlich zu kurz. So gibt es lediglich eine Trailer-Show sowie den Originaltrailer zum Film selber zu bestaunen. In heutiger Zeit ist das etwas wenig.

Eine weitere Unart, die aber zurzeit von vielen Vertrieben begangen wird und scheinbar immer Salonfähiger wird, ist die Auswahl der Untertitel. Gab es früher noch zumindest zu jeder Tonspur (hier: Deutsch und Englisch) den passenden Untertitel, zumeist wurden sogar noch weitere Sprachen bedient, doch jetzt wird hier nur noch eine deutsche Textspur geliefert. Das ist vor allem für diejenigen ein Problem, die anhand eines Filmes eine Sprache lernen beziehungsweise ihre Sprachfertigkeit erhöhen wollen. Denn das Mitlesen eines deutschen Textes bei englischer Tonausgabe ist zumeist sehr verwirrend. Außerdem wiegen Untertitelspuren nicht sonderlich schwer, so dass es eigentlich keinen Grund gibt, zumindest die im Ton verwendeten Sprachen nicht auch mit Untertitel zu versehen.