The Tree of Life

The Tree of Life

Seit den Siebzigern ist er Filmemacher, hat bisher jedoch erst fünf Werke abgeschlossen. Terrence Malick gilt als einer der rätselhaftesten Regisseure der Welt und in Cannes präsentierte er den vermutlich rätselhaftesten Film der letzten Jahre. Dort wurde er verhöhnt und verspottet und unzählige Zuschauer verließen noch vor dem Ende der ersten Filmhälfte die Vorstellung. Gewonnen hat The Tree of Life die begehrte Goldene Palme dennoch, aber wie bei jeder Auszeichnung Malicks erschien der Filmregisseur selbst nicht, um seinen Preis entgegenzunehmen. Was steckt hinter den zwiespältigen Kritiken des Werkes und wie gelingt es Malick, die Entstehung des Lebens und dessen Sinn in ein Familiendrama zu integrieren?

“Guide us, to the end of time.”

Gnade und Natur

In The Tree of Life wird die Geschichte einer Familie erzählt, welche in den 50er Jahren in einem texanischen Vorort idyllisch zu leben scheint. Doch sowohl die Kinder, als auch die Frau (Jessica Chastain) leiden unter dem herrscherischen Charakter des Vaters (Brad Pitt), der sich im Alltag diktatorisch behauptet. Die Mutter selbst ist eine stille, verträumte Frau, welche das Verhalten des Mannes stets erträgt. Der älteste Sohn Jack kämpft jedoch mit den unterschiedlichen Einflüssen seiner Mutter und seines Vaters. Während seine Mutter ihn lehrt, das Leben und dessen unzählige Details zu lieben, erzieht ihn der Vater zu Stärke und Kampfgeist.

In der Gegenwart hat der erwachsene Jack (Sean Penn) Probleme damit, sich in der modernisierten Welt zurechtzufinden und schwelgt in Erinnerungen an seine Kindheit und an die zwei möglichen Wege für ein gutes, gehaltvolles Leben: Den Weg der Gnade und den Weg der Natur.

Hierbei nimmt Malick Bezug auf den Ursprung des Lebens und beginnt damit, verschiedene Aneinanderreihungen von planetaren Vorgängen träumerisch zusammenzusetzen. Nach dem Urknall beginnt die Entstehung verschiedener Lebensformen auf der Erde. Wenn dieses relativ lange Zwischenspiel vorbei ist, wirft der Film uns zurück in die Handlung, welche niemals klassischen Erzählmustern folgt, sondern sich wie aufeinander folgende Erinnerungen wahllos präsentiert.

“Someday we’ll fall down and weep. And we’ll understand it all, all things.”

Verträumte Details

Dies gelingt Malick großartig. Er erzählt eine eigentlich einfache Geschichte, stützt sich jedoch immer wieder auf scheinbar unwichtige Augenblicke, wie Kinderhände, die neugierig durch Gras streifen. Dazu gehören auch die Momente, in welchen die Mutter mit ihren Kindern im Garten sitzt oder der Vater den Kindern am Esstisch den Mund verbietet. Diese Kleinigkeiten verraten jedoch mehr über die Figuren, als so mancher Dialog.

Malick animiert seine Darsteller zu Höchstleistungen, denn Brad Pitt und Jessica Chastain spielen umwerfend und durch sie entsteht auch das realistische Sittenbild der 50er Jahre, welches von großer Wichtigkeit für die Atmosphäre des Films ist. Der wahre Star ist jedoch Hunter McCracken, welcher den jungen Jack mimt. Er spielt mit unglaublicher Leidenschaft und zeigt die Undurchsichtigkeit seiner Figur perfekt. In Wut- und Trauermomenten stellt er sein Können mehrmals unter Beweis und reißt den Zuschauer mit in seine pubertäre Welt.

“Unless you love, your life will flash by.”

In Philosophie und Religion untergegangen

Sean Penns Rolle ist ziemlich klein, da die Figur des erwachsenen Jack manchmal nur wie ein Alibi dafür scheint, den Film in Errinnerungsstückchen zu verpacken. Aber wie die Bilder in den 50ern, so sind auch die Bilder in der Gegenwart wahnsinnig schön fotografiert und tragen ebenfalls viel Botschaft in sich. Hier verhaspelt sich Terrence Malick jedoch des Öfteren und man hat den Eindruck, dass der Film einem nur halb so viel sagen kann, wie er eigentlich gern möchte. So wird einem das philosophische Geflüster im Hintergrund bald über und man schaltet ab oder hört nur noch mit einem halben Ohr hin. Auch die deutliche Religiosität könnte viele Zuschauer stören. Auch wenn die Religion ein wichtiger Bestandteil der Menschen in Malicks Geschichte ist, so ist es dennoch kritisch für jene, die nicht vom Glauben geprägt sind.

“I will be true to you. Whatever comes.”

Fazit von Moviemax

Malick beschäftigt sich mit Menschheitsfragen, wie dem Theodizeeproblem oder der Frage nach dem Sinn des Lebens. Es ist interessant, wie ein Filmemacher seine eigenen Vorstellungen von Unendlichkeit und Menschlichkeit verarbeitet. Jedoch nicht für jeden. Den gewöhnlichen Kinogänger wird The Tree of Life langweilen. Wer jedoch selbst über den Sinn des Lebens philosophieren möchte ist bei Malick genau richtig und sollte sich auf ein ebenso bildgewaltiges, wie belastendes Kinoerlebnis einstellen.